Multikill nednenniW

Amoklauf Winnenden

An Tagen wie diesen fällt es unglaublich schwer, einen Controller in die Hand zu nehmen und am Bildschirm Kopfschüsse zu üben. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein Spiel der Marke Kane & Lynch, Gears of War oder Rainbow Six: Vegas handelt.

Unschuldige, Außerirdische, Terroristen — ganz egal.

Ich kann heute nicht wild herumballern. Nicht wegen Anti-Games-Propaganda in Funk und Fernsehen, und auch nicht, weil ich plötzlich einen Zusammenhang zwischen Spiel und Realität sehe.

Doch allein der Gedanke an Kill-Counter und mögliche XP verursacht ein übles Bauchwummern; ich fühle mich tatsächlich schlecht und mies und muss mich heftigst wundern.

Irgendwie scheint die Realität die Spiele eingeholt zu haben, sie zu überlagern, und das macht es noch verwirrender. Müsste, wenn alles für sich alleine stehen kann, wenn spielerische und echte Gewalt nichts miteinander zu tun haben… müsste ich dann heute nicht auch problemlos Gangster oder Space Marine spielen können?

Das sind schließlich nur Polygonköpfe und Pixelblut.

4 Kommentare

  1. 13. March 2009 – 10:51 | Permalink

    Wer Gestern und Vorgestern diverse Talkrunden im Fernsehen gesehen hat, wird bemerkt haben das man das man die Ursache sehr schnell festgestellt hat – neben dem Vater der einen halben Waffenladen zu Hause hatte und einer mobbenden Gesellschaft die den Jungen zum Einzelgänger gemacht hat, hat das Böse einen Namen: Killerspiele!!! Wenn die Leute meinen so einfach wäre das zu erklären…ich werde jeden Falls guten Gewissens weiter meine Baller- und Killer-Games zocken.

  2. M@rlon
    16. March 2009 – 13:39 | Permalink

    Die Politik soll beruhigt die “Killerspiele” verbieten. Und wenn es dann soweit ist wird man sehen das es auch weiterhin Amokläufer geben wird.

  3. 14. September 2009 – 21:27 | Permalink

    Triefender Pathos (“Ich kann heute nicht) und lustige Wortspiele (Multikill – hoho) passen definitiv nicht zusammen.

    Davon ab stellst Du die richtige Frage, und die Antwort kann nur lauten: ja, du müsstest an diesem Tag problemlos spielen können. Weil es a) nicht zwangsläufig einen Zusammenhang zwischen einem Computerspiel und einem Amoklauf gibt, und b) weil es heuchlerisch wäre, auf ein einzelnes Ereignis derart zu reagieren wo jeden Tag auf der ganzen Welt die schlimmsten Dinge passieren.

    Vielleicht bist Du nicht mehr in der Lage, Computerspiel und Realität zu trennen, dann macht dein Text Sinn und du solltest dich von Egoshootern und dergleichen fernhalten ;) Es soll ja auch Rollenspieler geben, die sich wirklich mit ihren Pixel-Chars identifizieren.

    Ein normaler Mensch kann auch am Tage eines Amoklaufes einen Egoshooter spielen, denn es gibt keinen Zusammenhang; niemand wird dadurch lebendig, der Spieler wird weder gewalttätiger, noch hat er einen weiteren Schritt Richtung Amokläufer getan. Ich sehe nichtmal die “spielerische Gewalt”, denn selbst in einem Egoshooter gibt es die nicht. Ich sehe nur Movement, Koordination, Herausforderung.

    Spiele sind nicht das ursprüngliche Problem. Meine Meinung.

    Liebe Grüße, Christian

  4. 15. September 2009 – 10:05 | Permalink
    Ein normaler Mensch kann auch am Tage eines Amoklaufes einen Egoshooter spielen, denn es gibt keinen Zusammenhang

    Ja, es gibt keinen Zusammenhang. Aber es gibt sowas wie Auseinandersetzung mit dem eigenen Hobby. Ich kann z.B. auch keine WWII-Shooter spielen, weil ich sie widerlich finde. Und ich mag CoD4 nicht, weil es mich abstößt, welche Ideen und welche Handlungen da als selbstverständlich (oder gar notwendig) propagiert werden. Gerade vor dem Hintergrund eines echten Krieges im Irak, all seiner ekelhaften Auswüchse wie Abu-Ghraib und Guantanamo.

    Wenn Du das alles voneinander trennen kannst, wenn Du nach drei Stunden Winnenden-Berichterstattung locker-flocking UTIII zocken kannst, ohne auch nur einen Gedanken an die Vorkommnisse zu verschwenden, dann magst Du dich gerne als »normal« betrachten.

    Man könnte es aber auch abgestumpft nennen.

Ein Trackback

  1. Von Einzelspieler
    12. March 2009 – 12:46

    Beruhigende Feindbilder…

    In der Berichterstattung um den tragischen Amoklauf in Winnenden fällt auf, dass Medien und Politiker wieder einmal die Killerspiele als (eine) Ursache für die Tat entdeckt haben. Das erfüllt uns Spieler natürlich mit Groll, weil wir uns in einem f…

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