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Hinweis: Es gibt keinen.
Wenn in deutschen Foren und Studibuden über verweigerte USK-Freigaben und das Verbot sogenannter Killerspiele diskutiert wird, dann fällt ganz fix ein Begriff, der in den Augen der Geknechteten und Unterdrückten alles zu rechtfertigen scheint, was das Entwicklerhirn so hergibt: »Erwachsenenunterhaltung«.
»Erwachsenenunterhaltung« ist das alles übertrumpfende Schlagwort in einer Debatte auf Lebenszeit. »Erwachsenenunterhaltung«, so der Tenor, müsse von Erwachsenen ohne Bedingungen, ohne Wenn und Aber, ohne Hindernisse oder sonstwas frei und fröhlich erworben werden dürfen. Unter-der-Ladentheke, Werbeverbote, entfernte Hakenkreuze — alles gängelnder Mumpitz hinsichtlich der Eindeutigkeit der Zielgruppe und Inhalte.
Auch laut USK ist alles überdeutlich:
Ab 18, keine Jugendfreigabe
In allen Spielelementen reine Erwachsenenprodukte. Der Titel darf nur an Erwachsene abgegeben werden.
Erwachsenenprodukte, da steht’s doch. Deshalb, so die pfiffige Schlussfolgerung, sei es auch jedem klar, dass solche Sachen nicht in Kinderhände gehörten. Ab 18, »Erwachsenenunterhaltung«, nix für Kinder, verstehste? Und heißt es nicht »Jugendschutz« anstatt »Erwachsenenunterdrückung«? Kunstfreiheit FTW!!!
Folglich unterzeichneten auch 73.000 freiheitskämpfende Nullchecker eine Petition, in der allen Ernstes steht:
fünf Prozent der im Jahre 2008 geprüften Spiele sind auf ein erwachsenes Publikum zugeschnitten und werden daher mit “Keine Jugendfreigabe” eingestuft.
Hmmmmmmmmmmmmmmm, liebe Freunde der Höhensonne. Schaltet doch zur Abwechslung mal Eure Hirne ein anstelle der Mikrowelle, wie wär’s?
Denn wenn mich meine Augen nicht allzusehr täuschen, sind Spiele wie Manhunt, Condemned, Gears of War, Fallout 3, Call of Duty 4, Crackdown und wie sie alle heißen, entweder in Amerika oder vornehmlich für den amerikanischen Markt entwickelt worden. Und dort samt und sonders mit einem M-Rating erschienen. Zur Erinnerung:
MATURE
Titles rated M (Mature) have content that may be suitable for persons ages 17 and older.
Soweit ich nun informiert bin, und ich kann mich beileibe irren, es wäre menschlich, herrjeh, aber soweit ich nunmal informiert bin, ist man selbst in Amerika erst ab 18 Jahren volljährig und damit rechtlich weitestgehend »erwachsen«.
Und sollte ich nicht ganz und gar überbordenden Wahnvorstellungen anheim gefallen sein, so gibt es auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine Alterseinstufung mit dem lustigen Namen »Adults only«, was ich aufgrund mangelnder Englischkenntnisse nicht übersetzen kann.
»Nur für Erwachsene«, raunt es aus der hintersten Ecke meiner Folterkammer, »Adults Only heißt ›nur für Erwachsene‹.«
Und wieviel Spiele werden pro Jahr wohl so produziert für diesen Erwachsenenmarkt? Na? 5, 10, 20, 200? N-U-L-L komma fünf!
Auf gut Deutsch heißt das: There’s no such thing as Erwachenenunterhaltung bei Videospielen. Ihr macht Euch was vor. Ihr lügt Euch ins Hemd.
Ihr. Labert. Scheiße.
Dummen dünnen Bockmist.
Bevor mir irgendwer blöd kommt: Ich bin weder Befürworter irgendeiner Zensur, noch finde ich Schnitte toll, noch freue ich mich wie ein Volltrottel über den Aufwand, den ich durch Importe zu betreiben habe, noch halte ich vor Blut triefende Videospiele für irgendwie mitverantwortlich am stagnierenden Gewaltpotential, an Mäusekacke in Hamburgern oder der Neuwahl von Angela Merkel.
Mir geht schlicht und ergreifend dieses unerträgliche Gesabbel über »Erwachsenenunterhaltung« auf die sprichwörtlichen Eier, wenn doch für jeden ersichtlich 100% der Spiele eindeutig und zweifelsohne für JUGENDLICHE gedacht sind und an diese verkauft werden sollen.
Und was glaubt denn Ihr, warum sich die Publisher hierzulande auf Konzessionen einlassen, um für ihre Games noch einen 18er-Bapper zu ergattern? Etwa, damit die deutschen ERWACHSENEN in den Genuss ihrer Kunstdarbietung kommen?
Der einzige Grund ist die Platzierung im Spieleregal: Call of Duty 4 neben CARS und Fallout 3 neben FIFA. Maximal verpackt in rote Klarsichtkästchen, aber vor allem gut sichtbar auch für die Kleinen und Kleinsten und Nicht-mehr-ganz-so-kleinen.
Erwachsenenunterhaltung, ts.
Dieser Dünnpfiff wird bloß noch getoppt von dem weit unerträglicheren Geseiere von wegen »aber SELBSTVERSTÄNDLICH muss Jugendschutz sein!« Denn erstens muss dieser selbstverständlich gar nix, und zweitens wollt Ihr, die Ihr von Erwachsenenunterhaltung träumt, ja gerade alles, bloß keinen Jugendschutz. Schließlich beschneidet dieser, so steht’s weltweit geschrieben, im Zweifel Eure verfassungsmäßigen Rechte als volljährige Kunstkonsumenten.
Ihr führt einen restlos verlogenen Kampf mit nichtigen Argumenten, anstatt Euch der grundsätzlichen Frage zu stellen: Brauchen wir einen Jugendschutz, der so tut, als seien deutsche Kinder und Jugendliche anfälliger für mediale Gewaltdarstellung als Kinder und Jugendliche im Rest der Welt:
Der Inhalt ist geeignet, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen.
IST er das?
Und dann, aber nur dann, könntet Ihr ja mal anfangen, Euch zu fragen, wie echte Erwachsenenunterhaltung in Spielen aussehen könnte. Also… mal so jenseits von spritzendem Blut und abgehackten Gliedmaßen und so. So… storytechnisch, Ihr wisst schon, dieses Dings, das Ihr aus Filmen und Büchern kennt. Oder dialogmäßig. Auch bekannt aus Funk und Fernsehen. Oder charakter…esque. So jenseits von Comichelden und Fabelwesen und stereotypen Muskelprotzen und Push-Up-Trägerinnen.
Oder — oh mein Gott, Arsch und Titten — zwischenmenschlich.
Erwachsenenunteraltung.
Ne, ist klar.
3 Kommentare
Du verfügst scheinbar über einen unerschöpflichen Vorrat an Beleidigungen, viele Leute, die über Jugendschutz und Spiele reden, verwenden mißverständliche Begriffe, der Jugendschutz kann die von ihm erhofften Ziele nicht erfüllen und Werbung lügt – Ist mir irgendetwas entgangen?
Ja, das eigentliche Thema.
(Und wo sage ich, dass Werbung lügt?)
meh